The Elephant Test

18. Juli – 12. Oktober 2014

Lisa Holzer
Jonas Liveröd
Basim Magdy
Pind
Torbjørn Rødland
Rachel Rose

<p>Jonas Liveröd, <em>Flotsam and Jetsam,</em> 2014</p>

Jonas Liveröd, Flotsam and Jetsam, 2014

Mit der ersten Gruppenschau „The Elephant Test“ eröffnete die Lothringer13 Halle am 17. Juli unter neuer kuratorischer Leitung von Dana Weschke und Jörg Koopmann. Sieben Künstler, deren Arbeiten sich in unterschiedlichen Medien und Kontexten bewegen, umreißen gesellschaftliche und soziale Themen und loten die Möglichkeit einer produktiven Ungenauigkeit aus.
Der Titel „The Elephant Test“ beschreibt Ideen oder Dinge, die ihrer Definition nach keiner eindeutigen Erscheinung oder Bedeutung zuzuordnen sind, gleichzeitig jedoch allen Beteiligten als Konzept klar vor Augen sind. Ursprünglich vor allem aus dem juristischem Kontext stammend, weist der Begriff daraufhin, dass selbst in dem eng strukturierten System der Gesetzgebung Grauzonen existieren, die mitsamt oder aufgrund ihrer verschwimmenden Grenzen anzuerkennen sind.
Die Ausstellung zeigt künstlerische Positionen, die sich erzählerisch zwischen einer inneren und äußeren Wahrnehmungswelt bewegen. In einem Gewebe aus persönlichen Erwägungen und objektiven Referenzen werden soziale Prozesse durchgespielt, infragegestellt, herausgearbeitet oder untersucht, jedoch ohne Erwartung einer Schlussfolgerung.
In ihrer Videoinstallation „Sitting, Sleeping, Feeding“ verfolgt Rachel Rose die Bestrebungen nach lebensverlängernden Maßnahmen an Menschen und Tieren. Sie besuchte ein Kryonik-Labor, in dem Körper kältekonserviert werden, ein Labor für künstliche Intelligenz, in dem Roboter trainiert werden menschliche Emotionen zu erkennen, und verschiedene amerikanische Zoos. In einer kreiselnden Struktur editiert die amerikanische Künstlerin Sound, Bild und Text zu einem vielschichtigen intensiven Videoessay.
Basim Magdy arbeitet in „The Dent“ ebenso erzählerisch an der Schnittstelle von dokumentarhaftem und phantastischem und bildet dabei ein surreales Gesamtbild einer fiktionalen Gesellschaftsstruktur. Die Zuordnung zwischen Subtext und Bildern bleibt in einer wellenartigen Struktur verzahnt oder losgelöst, und sowohl der Beginn als auch das Ende einer zwischen Hybris und Fall schwankenden Gesellschaft bleibt offen.
Die Skandinavier Jonas Liveröd und Pind wurden für die Ausstellung eingeladen, neue ortspezifische Arbeiten zu entwickeln. Liveröd arbeitet stets multimedial, bedient sich einer Vielzahl an Materialien und Objekten und konstruiert in Installationen feinsinnige Brücken zwischen Legenden und Prognosen. Die geplante Arbeit mit dem Arbeitstitel „Flotsam & Jetsam“ formiert sich um den desolaten Zustand des „Post-Comfort“, wie Liveröd es beschreibt. Im Gegenzug dazu widmet sich Pind in seinem Werk vornehmlich der Realität oder Nicht-Realität zwischen Kunstwerk und menschlicher Erfahrungswelt. Der Repräsentationswert der Arbeit verschwimmt mit der scheinbar objektiven Außenwelt, die Grenze zwischen Wahrheit und Idee wird aufgehoben.
Mathew Hale zeigt in seiner großformatigen Assemblage „Maria und Josef“ eine Sammlung an eigenen Notizen, Zeichnungen, Cutouts und Material aus Zeitungen, Postern, Büchern und Magazinen. Themen mit großer medialer Wirkung wie das Dreigespann aus Lady Diana, Prince Charles und Camilla Parker-Bowles oder die London Riots werden durch den Prozess einer unbewussten Assoziationskette miteinander verknüpft oder weiter abstrahiert.
Auch Lisa Holzer verbindet einschlägige Referenzen auf einer Text- und Bildebene, deren Hierarchie mit teils humorvollen oder selbstironischen Titeln aufgelöst wird. In den gezeigten Arbeiten aus der Serie „Passing Under“ nimmt sie Bezug auf ein Zitat des Psychoanalytikers Jacques Lacan, dessen Bedeutungsvielfalt im Kontext von Literatur, Popkultur, Kunst oder Konsumismus herausgearbeitet wird.
Der norwegische und inzwischen in Kalifornien lebende Fotograf Torbjørn Rødland schafft Bilder, deren Attraktion der Oberfläche meist von irritierenden Details unterwandert werden. Menschen und ihre Handlungen stehen im Vordergrund, werden in Szene gesetzt und oszillieren als Modell zwischen Individuum und ikonischem Stellvertreter. Rødlands Erzählungen geschehen sowohl innerhalb eines einzelnen Motivs, als auch in umfangreichen Serien in Büchern, deren fein abgestimmter Rhythmus gerade im Editieren durch Analogien, Brüche, Poetischem und Provokation geprägt ist. Eine deutliche künstlerische Autorenschaft die einen fordert, füttert, ins Wanken bringt und dennoch Raum lässt und nie belehrend wirkt.
Nicht zuletzt diese Qualität leitete uns besonders bei der Zusammenstellung der sieben eingeladenen Künstler: Eine spürbare Zugkraft die uns in deren Gedankenwelt eintauchen lässt und in dessen reichen Kosmos sich auch Humor, Subtiles und Offensichtliches umschlingen dürfen. Willkommen in einer weichen großen bedrohten Grauzone.

 

<p>Basim Magdy, <em>The Dent 2014</em></p>

Basim Magdy, The Dent 2014

<p>Pind,<em> I quit</em>, 2014</p>

Pind, I quit, 2014

<p>Rachel Rose, <em>Sitting Feeding Sleeping</em>, 2013</p>

Rachel Rose, Sitting Feeding Sleeping, 2013

<p>Mathew Hale, <em>Maria und Josef</em>, 2012– 2014</p>

Mathew Hale, Maria und Josef, 2012– 2014

<p>Torbjørn Rødland, <em>Hands and Eyes. Portrait no.1–5</em>, 2006–2010</p>

Torbjørn Rødland, Hands and Eyes. Portrait no.1–5, 2006–2010

<p>Thomas Palzer am 19.7.2014</p>

Thomas Palzer am 19.7.2014

Mit ‚Tonspur 01‘ startet eine Serie von auditiven Ausstellungsbesuchen von speziellen Gästen, die ihre Betrachtung der aktuellen Ausstellung in der Halle nachvollziehbar macht.

Teil 1:
The Elephant Test,
erzählt von Thomas Palzer am 19.7.2014
25 Minuten

Thomas Palzer, Jahrgang 1956, lebt als Auto, Regisseur und Schriftsteller in München.